Die Nuraghe la Prisgiona  ist ein Bezugspunkt der Siedlung im Gebiet von Capichera und dominiert eine fläche von einigen  Quadratkilometern. Die Tholos-Bauart, die für die Gallura recht  ungewöhnlich ist, ist vorrangig im System Ecchju zu finden. Der Bau besteht aus einem Hauptturm ( Mastio) und mindestens zwei in die Bastion eingegliederten  seitlichen Türmen. Dahin gelangt man über einen Innenhof, den  man von einem nach Süden geöffneten, in einen Mauervorsprung gegrabenen Gang betreten kann, durch den der ursprüngliche Zugang zum Bau verändert  wurde. Der Eingang des Mastios besteht aus einem ca. 3 meter großem Träger und führt in einen Vorraum, in dem sich jeweils links und rechts eine Wachnische und eine Treppe befinden, die zum ursprüngliche Obergeschoss führten. Der zentral gelegene Raum wird von einem über  sechs Meter hohen falschen Gewölbe bedeckt und enthält drei kreuzförmig angelegte Nischen.  Die seitlichen Türme führen zum Hof, in dem sich auch der höher gelegene  Eingang befindet, über dem man zu einer weiteren Räumlichkeit gelangt: einem zu einem kleinerem dritten Turm führenden Gang. In den größeren Türmen befinden sich ein Raum und eine Nische – der südwestlich gelegene enthält auch eine Bank und ist besser erhalten, während der östliche in späterer Besiedlungszeit seiner Mauer beraubt wurde und nur noch eine große Fläche auf weist, die eventuell  teilweise mit verderblichem Material gefüllt war.

Die Bastion wird zusätzlich von einer doppelten Befestigungsmauer  geschützt, die einen weiteren Hof umschließt, der einen über 7 Meter tiefen Brunnen enthält. Die Mauer beginnt an einem wichtigen Bau – “der  Versammlungshütte”, die neben die  Nuraghe  der einzige Raum mit Zugang vom befestigten Hof  ist. Sein Wert wird durch die baulichen Eigenheiten unterstrichen: auf der Grundfläche der inneren Außenwand befindet sich ein Sitz, der sich an verschiedenen Punkten zu einer bank verlängert. Zudem  erinnern eine Art rundes Becken in der Mitte des Raumes und die beiden Verbrennungsflächen an die Ausführung von zeremoniellen Feiern und Riten, die im  Kultischen Kontext bekannt sind. Durch den Fund einer Vase bisher unbekannter Form und Dekorationen nimmt  man an, dass  ein besonderes Betränk hergestellt wurde. All diese Elemente lassen darauf schließen, dass der Bau Versammlungen von Personen höheren Ranges und auch einer begrenzten Anzahl von Personen vorbehalten war, die die Interessen der Gemeinschaft vertraten.

Um den Nuraghen erstreckt sich die ca. 90 Hütten zählende Siedlung, von denen nur 15 ausgegraben wurden. Sie Weisen den typischen Eingang auf, dem ein kleiner Vorraum vorgelagert ist, und sind einander tagierend aufgebaut; die Hütten sind in Gruppen angeordnet und bilden kleine “ Wohnblöcke” , die untereinander durch einen langen gepflasterten Pfad getrennt sind, von dem jeweils eine kleine Seitenstraße abgeht . Einer von ihnen besteht aus fünf Hütten, die für handwerkliche Tätigkeiten genutz wurden. In einem anderen wurden die überreste eines Ofens aus Schlammziegeln gefunden, der wahrscheinlich für das Brennen er keramik vervendet wurde. In einer angrenzenden Hütte befinden sich große, in der Antike restaurierte  Behälter mit Bleiklammern und Schmelzreste des gleichen Materials, die sich auch auf dem Boden eines Schmelztiegels befanden und die auf die Tätigkeiten eines Zinnhandwerkers hinweisen, der Gefäße ausbesserte. Darauf weisen auch Reparaturen einiger großer Keramikbehälter hin, in denen Nahrungsmittel aufbewahrt wurden.

Die selbe Art der Restauration sieht man an einigen kleinen, mit einem Henkel veshenen Krügen (Kleine Askoi), die im Brunnen gefunden wurden.

In  einer anderen Hütte wurde ein halbrunder Ofen wahrscheinlich zum Baken von Hefebrot  verwendet. An eine ähnliche Verwendung lassen die gewölbeartige abdekung aus Steinen, die durch die Hitze stark verdichtet sind, und das kochfeld denken das aus einer flachen Granitplatte besteht und entsprechende Temperaturen aushalten kann. Zu dieser Verarbeitung von Brot kommt die bis heute im Gebiet der verbliebenen Nuraghen bekannte Art des Backens von hefefreiem Fladen auf Kompakten Tonplatten Hinzu. Durch die bis heute gewonnenen Daten kann die Siedlung  La Prisgiona auf eine zeitspanne zwischen dem 14. und dem 9. jh.v.CHR. datiert warden; Zudem konte eine besiedlung in römischer kaiserzeit der nunmehr  vor vielen jahrhunderten eingestürzten Nuraghenbauten nachgewiesen warden.

 

Text von Dr. Angela Antona,  Archäologe.

 


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